SWOT: empfundene Schwächen, Stärken, mittelfristige Chancen, aktuelle Bedrohungen – Teil 2

Zusammengestellt von Peter Fleissner und Peter Degischer, Zukunftmitverantworten.org, SeniorInnen-Attac

Thema Produktion und Arbeit

  • Stärken

Das aktuelle, kapitalistische Produktionssystem fußt wesentlich auf digitalen Technologien (Informations-, Kommunikations- & Produktionsbereich verstärkt) Die Mechanisierung der Industriellen Revolution wird in der wissenschaftlich-technischen Revolution durch Automati-sierung und Vernetzung global erweitert: Informationsverarbeitende Maschinerie (IVM) über Internet zu automatisierten Systemen verbunden (4.0). Die IVM verbreitet sich als Computer in allen Varianten, als Handy über die ganze Welt. (Peters Buch „Gesellschaft am Ende des Geldes“).
Arbeitsproduktivität wächst.
Regionale Produktion (Lebensmittel, Gebrauchsgüter) ist krisensicher. Die soziale Sicherheit ist ein anerkannter Wert; Systeme wie Sozialpartnerschaft, AMS, Gewerkschaften, AK, Betriebsräte funktionieren noch rudimentär; Europäische Säule sozialer Rechte verlautbart, UN-Verhandlungen über verbindliche Menschenrechte.

  • Schwächen

Die materielle/energetische Basis des Kapitalismus (Erdöl, Erdgas, Minerale) erschöpfen sich, Umweltbelastung weitet sich aus: Klimakatastrophe.
Arbeitslosigkeit wächst, Formen prekärer Arbeitsbedingungen/Ausbeutung nehmen zu. Soziale Kooperationen schwach entwickelt (soziale EU? UN-Treaty?).
Das politische Bewusstsein wird durch allgegenwärtigen Konsumismus geschwächt. Veränderungswille ist schwach, aber Angst vor Zukunft. Überwachung und Kontrolle über technische Systeme.
Arbeitszeit wird flexibilisiert und erweitert.
Nicht-Erwerbstätigkeit ist unterbewertet.

  • Chancen

Durch gerechtere Arbeits- und Lebensbedingungen kann die Spaltung der Gesellschaft abgebaut werden. Arbeitskräfte besser entlohnen: Vom Lohn muss man leben können! Regionale Qualität muss leistbar sein. Ernte- und Pflegearbeit besser bewerten. Gender pay gap und Gehaltsspreizung in Firmen (MA: Vorstand = 1:60) über rigorosere Nachhaltigkeitsberichte offenlegen (NaDiVeG)! BGE für bedürftige Gruppen (Künstler…).
Arbeitsloses Einkommen aus Aktien, Zinsen, Vermietung & Verpachtung durch höhere Steuern belasten -> Entlastung der Arbeitsabgaben.
Wichtige Produktionszweige in Österreich/EU (
Importsubstitution). Lieferketten zu sozialen & ökologischen Standards verpflichten (Kostenwahrheit, regionale & gemeinschaftliche Produktion, Ökosteuern für Massenprodukte und Transport). Krisenhilfe nur für nachhaltige Produktion!
ArbeitnehmerInnen-Interessen stärker vertreten (BR, ÖGB, AK, NGO) & medial unterstützen.
Arbeitszeitverkürzung (1975: 40h-Woche, 1980: Industrie 38h), seither ist Produktivität um ca.25% gestiegen, was eine Arbeitszeitverkürzung (-10h) rechtfertigt; Bei Pflegeberufen und SystemerhalterInnen: Ziel 30 Wh., Überstunden minimieren. Tätigkeitsgesellschaft (4in1: Erwerb, Freizeit, Sorge, Gesellschaft gleichwertig) !
Umweltschäden und soziale Diskriminierung einklagbar machen (
UN-binding treaty).

  • Bedrohungen

Lohnsklaverei, working poor, prekäre Arbeitsbedingungen nehmen zu, Selbstausbeutung und Lohndumping bedrohen Gesundheit, besonders in Sozialberufen. Arbeitskräfteüberschuss verschlechtert Arbeitsbedingungen und schwächt die Gewerkschaft.
Ankurbelung der Produktion, um in der Krise verlorenes Wachstum nachzuholen. Umweltzerstörung und Klimakatastrophe schreiten fort, verändern Arbeits- & Lebensbedingungen, gesundheitliche Schäden werden häufiger. Internationale Konkurrenz (Wettbewerbsdogma) auf Basis sozialer und ökologischer Einbußen für viele Arbeitnehmer und -geber ist ruinös. Keine CO2-Steuer => Unlauterer Wettbewerb (Externalisierungen).
Konflikte zwischen ArbeitnehmerInnen, Management und EigentümerInnen wird verstärkt. (Macht des Kapitals: Überreiche, anonyme Arbeitgeberkonsortien). Verbindliche Arbeitsrechte (ILO) werden international nicht respektiert.

SCHLUSSFOLGERUNGEN

Stärken
Technologischen Fortschritt in Produktion und Dienstleistungen weiter betreiben, was (hoffentlich) aus dem Reich der Notwendigkeit ins Reich der Freiheit führt.
Schwächen
Missachtete Menschenrechte, Überwachungssysteme, soziale Verschlechterungen, Umweltzerstörung bedrohen das Leben auf Erden.
Chancen
Arbeitszeitverkürzung, Tätigkeitsgesellschaft, Lohnangleichung: Vom Lohn muss man leben können! Kostenwahrheit (Externalisierungen); Gender-Ausgleich; Krisenhilfe mit Klimaschutz koppeln. Österreichs Unterstützung des UN-binding treaty fordern.
Bedrohungen
Die Zerstörung der Menschenwürde, Klimakatstrophe, keine Gleichberech-tigung, Wettbewerb auf Rücken der Arbeitnehmer, internationales Lohn-dumping, Aufrüstung statt Friedensarbeit.

MAẞNAHMEN

  • Vergesellschaftung systemwichtiger Betriebe, lokale commons, bei gemein-/genossenschaftlichen Betrieben mitmachen. Recht auf x Stunden zur Weiterbildung (delegierbar?).
  • Datenschutzgesetze einfordern, prekäre Arbeitsformen bekämpfen. Mindestlohn oder BGE.
  • Gewerkschaften, Arbeitslose und kleine (nachhaltige) Selbstständige unterstützen. Selbstermächtigungsprogramme sozialpolitische Fortbildung (z.B. Geschichte, Vergesellschaftung, Arbeitskämpfe, Marxismus, Widerstand, Lobbyieren). Kein Krieg geht von der EU aus!
  • Lohnpolitik erkämpfen, Klimaschutz durchsetzen, militärische Konfliktlösungen bekämpfen, unlauteren Wettbewerb anprangern.

Teil 1

Teil 3

 

 

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